Posts Tagged: Wort-Kunst


1
Mai 12

Tag der inversionalen Arbeit

Das Ziel, für die Rechte der Aller zu kämpfen, also auch für die, die weniger gut gestellt sind, führte zur internationalen Arbeiterbewegung. Jedes Jahr am 1. Mai – früher Arbeitstag, heute Feiertag – wird daran erinnert. Manchmal hört man dann auch die “Internationale”, wenn man so will, die inter- “National” -Hymne der Arbeiterbewegung:

Die Internationale

Völker hört die Signale!
Auf zum letzten Gefecht!
Die Internationa – a – le
Erkämpft das Menschenrecht.

(Emil LUCKHARDT)

Dass der 1. Mai, der sogenannten “Tag der Arbeit” gar kein Arbeitstag im wortwörtlichen Sinn ist hat dabei eine komische Note. Man müsste, um eine nominelle und tatsächliche Arbeit in Einklang zu bringen, eins von beiden begrifflich oder dem Termin nach umstülpen. In etwa so, wie man einen rechten Handschuh umstülpt, so dass er nun für die linke Hand passt.

Jedenfalls, wenn man schon Feiertag hat, kann man in der freien Zeit was machen; sich zum Beispiel mit Inversions- (Umstülpungs-) und Liniengeometrie beschäftigen. Hier geht man zwar nicht in erster Linie von der Sozialen Frage aus (die ohne jeden Zweifel und nach wie vor zu den dringlichsten Zeitfragen gehört). Vielmehr geht es um die eigene Erkenntnistätigkeit in sehr anschaulicher Weise. Dies bildet die Persönlichkeit, und das wiederum kann die Soziale Frage sehr befruchten. Nicht ohne Grund wurden zu früheren Zeiten die Mächtigen genötigt, sich in Geometrie unterweisen zu lassen.

Wer selber schon mal geometrisch gearbeitet hat, wird sicher bestätigen, dass die geometrischen Gesetzmäßigkeiten im tätigen Erkennen und Umsetzen etwas sehr Befriedendes, Klärendes haben. Hier führt sich der Mensch im Streben nach dem Rechten selbst zum Rechten (was jetzt ausdrücklich nicht doppeldeutig politisch, sondern in einem ganz umfassenden Sinn gemeint ist). Das wird der Sozialen Frage wohl kaum schaden. In diesem Sinne:

Die Inversionale

Völker hört: Trigonale!
Auf zum Liniengeflecht!
Die In – ver – si – o – na – a – le
Erkennt den Menschen recht.

(Justin THYME)

Arbeit an sich selbst und Arbeit für andere: beides kann Not wenden.


5
Mai 11

Des Raumes Mass

Dreifach ist des Raumes Mass:
Rastlos fort ohn’ Unterlass
Strebt die Länge; fort ins Weite
Endlos giesset sich die Breite.
Grundlos senkt die Tiefe sich.

Dir ein Bild sind sie gegeben:
Rastlos vorwärts musst Du streben,
Nie ermüdet stille stehn,
Willst du die Vollendung sehn.

Musst ins Breite dich entfalten,
Soll sich dir die Welt gestalten.
In die Tiefe musst du steigen,
Soll sich dir das Wesen zeigen.

Nur Beharrung führt zum Ziel.
Nur die Fülle führt zur Klarheit,
Und im Abgrund wohnt die Wahrheit.

Friedrich Schiller (1759 – 1805), Sprüche des Konfuzius.

(hier zitiert nach Arnold Wyss, Paul Adam und Hansruedi Ruchti: GTZ-Lehrerhandbuch, Bern 1978)


1
Jan 11

Umstülpung

>durchaus>


18
Sep 10

westlich-östlich

Ginkgo-Blatt mit FS Würfel von Alexander HEINZ

Ginkgo-Blatt mit FS Würfel von Alexander HEINZ

GINKGO BILOBA

Dieses Baum’s Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut
Gibt geheimen Sinn zu kosten
Wie’s den Wissenden erbaut.

Ist es Ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwei, die sich erlesen,
Dass man sie als Eines kennt?

Solche Frage zu erwidern
Fand ich wohl den rechten Sinn;
Fühlst Du nicht an meinen Liedern,
Dass ich eins und doppelt bin?

Johann Wolfgang GOETHE (zitiert nach Goethe, Werke in zwei Bänden, München/Wien 1981)


6
Jan 09

Revolution des Tetraeders

"tanzendes" Tetraeder von Simone JASINSKI in Witten

“tanzendes” Tetraeder von Simone JASINSKI in Witten

Kennen Sie “die Revolution des Viadukts” von Paul KLEE? Hier sehen Sie die “Revolution des Tetraeders”. Mitten in Witten. In der Bahnhofstraße. Man kann mit der Straßenbahn dran vorbei fahren. In Richtung Heven Dorf aus dem rechten Fenster in Fahrtrichtung. Direkt gegenüber der Eisdiele, die im Winter eine Boutik beherbergt. Wenn Sie schon mal in Witten waren, wissen sie vielleicht, was ich meine. Und auf der gegenüberliegenden Seite, ich meine gegenüber der Eisdiele, da wird getanzt. Und zwar tanzt das Tetraeder (bitte: das Tetraeder, nicht der Tetraeder). Oder vielmehr tanzen die vier Seiten des Tetraeders (des: ist richtig). Wenn man genau hinsieht sind es nur drei, aber so, daß man meint, die vierte Fläche wäre da. Aber was sage ich, es sind ja noch nicht einmal Flächen, sondern nur Andeutungen davon, Assoziationen sehe ich. Denn es ist alles so verbogen, pardon, sphärisch gerundet, und der Blick geht durch und durch – es wird getanzt, eben.

(für Hanns Dieter HÜSCH)


6
Sep 06

Max und Moritz heute

heute in der Chefetage: Max Moritz

heute in der Chef-Etage: Max Moritz

Als ihr letzter Streich vereitelt
wurden beide flugs recycelt:
erst durch die Mühle, dann durchs Huhn -
fragt sich, was sie heute tun.

Die populär in Buschens Sagen
verkaufen heute Volk(e)swagen.
Ihr findet sie, jetzt sehr vernünftig
in Hagen an der B54.

Hochgestellt mit guter Gage
sind sie jetzt in der Chef-Etage.
Oben, vom Würfel schaun sie her
nach unten auf den Kreisverkehr.


14
Feb 06

Farbe zwischen Licht und Schatten

Altpersischer Spruch:

Trage die Sonne auf die Erde.
Du Mensch bist zwischen Licht und Finsternis gestellt.
Sei ein Kämpfer des Lichtes.
Liebe die Erde.
In einen leuchtenden Edelstein verwandle die Pflanzen,
verwandle die Tiere,
verwandle dich selbst.

Zarathustra

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Farbe zwischen Licht und Schatten

Farbe zwischen Licht und Schatten

Farben entstehen ebenfalls zwischen Licht und Schatten. Der Regenbogen ist ein schönes Bild dafür aus der Natur.

Technisch kann man sich diese Tatsache zu Nutze machen. Der abgebildete Würfel war in einem Video-Beamer installiert.

Hier bricht sich an diesem Würfel bricht das Sonnen-Licht, und spiegelt die Lichtbrechung in Farben auch in den beschatteten Bereich.


31
Jan 06

Die Logik der Kunst: Umstülpung

Das Zusammentreffen der drei Elemente:

am richtigen Ort (1)
zur richtigen Zeit (2)
das Richtige tun (3).

Das ist Kunst.

Es ist die Konstellation, in der die wesentlichen Kräfte der plastischen Umstülpung freigesetzt werden.

(frei zitiert nach Joseph BEUYS in: Solidarität mit Harald Naegeli, Reinbek bei Hamburg, 1984. Zum 20. Todestag von Joseph Beuys)


25
Jul 05

Der umgestülpte Handschuh

A: wo ist Gott?
B: du fragst wo Gott ist?
A: ja
B: (auf A deutend) dort.
A: wo? (dreht sich lächelnd um)
B: ja, du mußt dich nicht umwenden, du mußt dich in dich hineinwenden -
A: hineinwenden?
B: ja. Siehst du diesen Handschuh?
A: ja
B: das ist der Mensch.
Und dies (stülpt den Handschuh um) ist Gott.

von Christian MORGENSTERN: Stufen, München 1960


24
Dez 04

Platonische Körper

Fünf Körper hat die mächtige Natur erzeugt
Die treffend man als einfach bezeichnet
Denn in jedweder Mischung finden sie vereint sich
Und fügen ordnungsmässig sich zusammen.

Rein, unvermischt und makellos erschaffen
Als Feuer, Wasser, Himmel, Luft und Erde
Zahllosen Keimen gaben sie den Ursprung
Nach Plato’s Meinung, und als erste Form.

Doch weil vom Leeren der Natur erschreckt
Nach Aristoteles in Erd’ und Himmel
Nicht können sie für sich allein besteh’n.
Und keiner Art begegnet unser Auge.

Doch Plato’s Geist und dem Euklid gelang es
Fünf kugelart’ge Körper zu entdecken
Von regelrechter Form und schönem Anblick
Von gleichen Flächen und von gleichen Kanten,
Und doch ein sechster kann niemals entstehen.

Sonett von Fra Luca PACIOLI. In: Divina Proportione (Die Lehre vom Goldenen Schnitt) nach der venezianischen Ausgabe von 1506 übersetzt und erläutert von C. Winterberg, Wien 1889, Seite 250.