Posts Tagged: Paul Schatz


24
Jun 10

Inside out

Cluster of Cubes, Dortmund, Harenberg-Center beim Hauptbahnhof

Diese vier Würfel sind an einer Stange befestigt. An beweglichen Lagern befestigt lassen sie sich vom Wind bewegen, folgen also ganz der Bewegung von außen. Die Arbeit des Künstlers George RICKEY (1907 – 2002) war es, die bewegliche Befestigung der Würfel technisch so einzurichten, dass die Bewegung der Würfel im Wind einen schönen Eindruck beim Betrachter hinterläßt. Letztlich werden hier die Bewegungen der Außenwelt am Kunstwerk sichtbar gemacht, gefiltert durch die dafür geschaffene Technik des Künstlers.

Oloid als Wälz- und Belüftungsgerät im Wasser. Abbildungen in: Klaus Ernhofer und Wolfgang Maas: Umstülpbare Modelle der Platonischen Körper (Dornach, CH, 2000)

Paul SCHATZ (1898 – 1979) propagierte ebenfalls eine Verbindung von Kunst und Technik. Sein Ansatzpunkt war die Gestaltung der Technik mit ihren eigenen Mitteln. In diesem Sinn die umgekehrte Richtung, die Rickey einschlug: die Technik sollte hier aktiv und heilsam in die Umwelt wirken.

Die von Paul SCHATZ gefundene Oloid-Technik bringt zum Ausdruck, was hier gemeint ist: mit einem doppelten gegenläufigen rotativen Antrieb wird das Oloid angetrieben. Es bewegt sich rhythmisch (beschleunigend und abbremsend im Wechsel). Damit kommt die (Oloid-Technik) der Bewegungsart entgegen, die das Wasser von sich aus gerne annimmt, wie z.B. die Mäander-Bildung von Wasserläufen zeigt.

Sechsgliedrige (Würfel-)Gelenkkette des Schatzwürfels mit Oloid. Modell: Werner Budde, HfK Bremen

Bemerkenswert ist bei Schatz, dass hier ebenfalls der Würfel die Ausgangsform ist: bei der Umstülpung des Würfelgürtels entsteht durch die Bewegung einer Würfeldiagonalen die Oberfläche des Oloids als Raum-Zeit-Form. Ein Kanten-Element muß dazu ortfest gehalten werden. Dabei bleibt der Würfel in seinen geometrischen Elementen (Ecken, Kanten und Flächen) erhalten, wird aber vollständig umgewendet. Das Modell von Werner BUDDE läßt ahnen, wie das gemeint ist.

Ganz allgemein kann man die beiden hier vertretenen Standpunkte als Beispiele sehen, wie der Mensch zu der Welt steht, in der er lebt: einerseits wird er von ihr bewegt, andererseit bewegt er aber auch in der Welt, in dem er in ihr tätig ist. Dabei kann er unterschiedliche Schwerpunkte setzten. Der dynamische Ausgleich zwischen beiden Ansätzen mag als ein ideales Gleichgewicht erscheinen.


29
Nov 09

Oloid-Woche in Basel November 2009

Oloidwoche auf der Gerbergasse in Basel. Bild: Daniel Häni

Eine besondere Begegnung von Handwerk und Geometrie: in einer öffentlichkeitswirksamen Aktion schlugen Steinmetze und Steinmetzinnen aus Frankreich, Deutschland, Österreich und der Schweiz aus einem 1,8 t. schweren Sandsteinquader die Oloid-Form. Diese Form entsteht als Raum-Zeit-Form aus der Umstülpung des Stülpwürfels von Paul SCHATZ. Pünktlich zum 80. Jahrestag der Entdeckung der Würfel-Umstülpung konnte das Steinoloid fertiggestellt werden.

Oloid am Abend der Fertigstellung. Bild: Daniel Häni

Diese 1,2 t schwere Form läßt sich von Hand bewegen, und es läßt sich sogar darauf balancieren. Die Initiative zu dieser Aktion liegt bei Hildegard von HOMEYER und Claudia WINKLER. Zwei Zimmerleute stellten die Rollrampe für das Oloid her.

Ermöglicht wurde diese Aktion durch Sponsoren wie der Paul-Schatz-Stiftung, Basel, der Edith-Maryon-Stiftung (Kulturfonds), Basel und dem unternehmen mitte, Basel. Weitere Informationen zu der Aktion finden sich als Artikel von Alexander HEINZ in den österreichischen IBDG und im oloidblog.

Handfest zugepackt. Bild: Daniel Häni

Immer wieder Maß nehmen. Bild: Daniel Häni

Arbeitsfortschritte. Bild: Daniel Häni

Auf dem Weg in die Schalterhalle. Bild: Daniel Häni

Balancieren auf dem Oloid. Bild: Daniel Häni

Transport zu neuen Ufern. Bild: Daniel Häni

Station beim Glashaus am Goetheanum in Dornach bei Basel. Bild: Tobias Langscheid


30
Apr 04

Meisterstücke

Meister-Stücke Alexander Heinz

Aus der Pflicht eine Kür machen: eine würdige Hülle für würdige Gedanken, das war das Ziel der Buchbinder-Meisterprüfung von Alexander HEINZ 2004 in Stuttgart.

Johannes STÜTTGENs “Zeitstau” als Pergamentband, Peter PLICHTAs “Primzahlenreuz” als Franzband in Oasenziegen-Leder mit Handvergoldung und Goldschnitt und ein Stülpwürfel nach Paul SCHATZ in Oasenzeigen-Leder.

Hier präsentiert im Buchbinder-Colleg, Stuttgart.