Posts Tagged: Monumental-Geometrie


26
Mrz 10

Ästhetische Geometrie Aachen 2010

Geometrie kann ästhetisch sein – und die Ästethik kann geometrischen Gesetzmäßigkeiten folgen: Geometrie als universelles Thema in Kunst und Wissenschaft. Auf der diesjährigen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Geometrie und Graphik (DGfGG) stand diese Verbindung im Vordergrund. Zahlreiche Geometer aus Deutschland und Österreich beteiligten sich mit eigenen Beiträgen. Prof. Albrecht BEUTELSPACHER berichtete über die Entwicklung des Mathematik-Museums in Giessen zu einer der erfolgreichsten Museen Deutschlands. Dr. Christoph PÖPPE vom Verlag Spektrum der Wissenschaft berichtete von monumental-geometrischen Aktionen, die er mit Schülern erfolgreich durchgeführt hat.

Das Programm spiegelte die Vielfalt wieder, in der Geometrie in Wissenschaft, Lehre und Forschung, aber auch in Handwerk und Kunst und im Alltag zu finden ist. Der Bildhauer Klaus BECKER aus Anröchte berichtete von seiner bilhauerischen Arbeit an grünem Anröchter Sandstein, Alexander HEINZ von der Oloid-Woche in Basel, in der roter Buntsandstein bearbeitet wurde. Eine Reihe von Vorträgen veranschaulichten die Bedeutung der Geometrie im Design und auch in der Computer-Anwendung.

Parallel dazu fand in der ehemaligen Reichsabtei Aachen-Cornelimüster eine gleichnamige Ausstellung statt mit zahlreichen geometrischen Modellen, unter anderem von Ulrich MIKLOWEIT, Daniel LORDICK, Christoph PÖPPE; Rinus ROELOFS, Klaus BECKER, Oliver NIEWIADOMSKI und Prof. em. Friedhelm KÜRPIG, der Tagung und Ausstellung organisiert hat. Eine erweiterte Neuauflage der Ausstellung ist für den April 2011 in Aachen im Super C der RWTH geplant.

Im Rahmen der Tagung wurde der von Friedhelm KÜRPIG gestiftete Phänomena-Preis verliehen, den in einer Abstimmung Alexander HEINZ für seine gefalteten Papierpolyeder “FS Polyeder” gewann. Eine Dokumentation der Tagung, der Ausstellung und des Wettberbwerbs sind als Tagungsband in Arbeit.


28
Feb 10

Winter-Impression

Im Winter werden die Hecken durchsichtig und geben die Blick frei auf ein Spielgerüst, das im Sommer hinter dem Blattwerk versteckt ist. Heute spielen keine Kinder – die Schnee ist darauf zur Ruhe gekommen. In ähnlicher Weise kommt das sonst so bewegliche Wasser in den Schneekristallen zur Ruhe oder Erstarrung.  Kommt das äußere Leben zur Ruhe, gelingt es oft besser auch in Gedanken innezuhalten, besondere Beobachtungen zu machen. Zum Beispiel, daß Formen in einem gewissen Sinn geronnene Bewegung sind.

Ikosaeder-Klettergrüst Herdecke, Schraberg-Schule, Winter 2010

Jede Form kann man unter diesem Aspekt betrachten. Formen stehen nicht nur für sich, sie stehen immer auch in dem Zusammenhang ihrer Umgebung. Letztlich sind Raumformen die Grenzfläche zwischen dem inneren Raumvolumen und dem äußeren Umraum. Anders gesagt zeigt die Grenzfläche das momentane Gleichgewicht zwischen den nach außen wirkenden Kernkräften, und von außen wirkenden Umgebungskräften.

Nicht nur die spätere Schneeschmelze zeigt: Formen können sich auch wieder auflösen. Oder anders: aus Form kann wieder Bewegung werden.


29
Nov 09

Oloid-Woche in Basel November 2009

Oloidwoche auf der Gerbergasse in Basel. Bild: Daniel Häni

Eine besondere Begegnung von Handwerk und Geometrie: in einer öffentlichkeitswirksamen Aktion schlugen Steinmetze und Steinmetzinnen aus Frankreich, Deutschland, Österreich und der Schweiz aus einem 1,8 t. schweren Sandsteinquader die Oloid-Form. Diese Form entsteht als Raum-Zeit-Form aus der Umstülpung des Stülpwürfels von Paul SCHATZ. Pünktlich zum 80. Jahrestag der Entdeckung der Würfel-Umstülpung konnte das Steinoloid fertiggestellt werden.

Oloid am Abend der Fertigstellung. Bild: Daniel Häni

Diese 1,2 t schwere Form läßt sich von Hand bewegen, und es läßt sich sogar darauf balancieren. Die Initiative zu dieser Aktion liegt bei Hildegard von HOMEYER und Claudia WINKLER. Zwei Zimmerleute stellten die Rollrampe für das Oloid her.

Ermöglicht wurde diese Aktion durch Sponsoren wie der Paul-Schatz-Stiftung, Basel, der Edith-Maryon-Stiftung (Kulturfonds), Basel und dem unternehmen mitte, Basel. Weitere Informationen zu der Aktion finden sich als Artikel von Alexander HEINZ in den österreichischen IBDG und im oloidblog.

Handfest zugepackt. Bild: Daniel Häni

Immer wieder Maß nehmen. Bild: Daniel Häni

Arbeitsfortschritte. Bild: Daniel Häni

Auf dem Weg in die Schalterhalle. Bild: Daniel Häni

Balancieren auf dem Oloid. Bild: Daniel Häni

Transport zu neuen Ufern. Bild: Daniel Häni

Station beim Glashaus am Goetheanum in Dornach bei Basel. Bild: Tobias Langscheid


29
Nov 08

Oloid-Vernissage November 2008

Verhülltes Oloid (Foto: Frogard Heinz)

Auf Hof Hartkemeyer bei Bramsche, Nähe Osnabrück, wurde ein Kunst-Stück enthüllt: ein Oloid der Steinmetzin Hildegard von HOMEYER. Die Steinmetzin lernte am Berner Münster und wünschte sich zum Abschluß ihrer Lehrzeit ein Oloid aus Stein zu hauen. Die Schwester Julia Hartkemeyer und andere Freunde sponsorten dazu den Stein – einen Ibbenbürener Sandstein. In einer feierlichen Vernissage wurde das Oloid am 29. November, dem 1. Advent enthülllt: ein schönes Stück Monumental-Geometrie.

Sechsgliedrige Gelenk-Kette des Schatzwürfels mit Oloid. Modell: Werner Budde, HfK Bremen

In der Fest-Ansprache würdigte Alexander Heinz die Arbeit der Steinmetzin und demonstrierte anhand von Modellen den Zusammenhang des Oloids mit dem umstülpbaren Würfel, beides Erfindungen von Paul SCHATZ. Anhand eines Manisfestes von Joseph Beuys beschrieb er Zusammenhänge der Begriffe von Raum, Zeit und Kunst mit dem Begriff der Umstülpung.

Schatzwürfel mit sechsgliedriger Gelenk-Kette. Abbildung aus Schatz: Die Welt ist umstülpbar, Gelenk-Kette nachträglich hervorgehoben

Schatzwürfel. Modell: Alexander Heinz

Schatz'sche Steckriegel mit FS-Oktaeder-Ständer. Modelle: Alexander Heinz

Enthülltes Oloid (Foto: Frogard Heinz)

11
Dez 06

Platonische Körper erleben

Platonische Körper (wie überhaupt die Welt) kann man nicht nur von außen, sondern wie der vitruvianische Mensch von Leonardo auch von innen kennenlernen – und ganz schön was dabei erleben! Ausgehend von der Metamorphose der einfachsten geometrischen Elemente wie Punkt, Gerade, Ebene und Raum erprobten wir, wie sich aus Stangen Raumgebilde bilden lassen, vorausgesetzt, es gibt genug hilfreiche Hände, und man ist bereit sich zu strecken und auch mal reinzuknien.

Schüler-Würfel (Foto: Michael von der Lohe)

All das machten die Schülerinnen und Schüler der 8. Klasse von der Schule Blote Vogel mit Alexander HEINZ in Witten ganz vorzüglich, wie man auf den nachträglich gemachten Bildern sehen kann. Dazu ist in ganzer Artikel nicht nur in der Schulzeitung erschienen, sondern auch in einer pädagogischen Fachzeitschrift.


1
Jul 06

Sommer-Impression

Basel:  eine Baustelle. Mit Baustellen-Schildern, wie man sieht. Geometrisch angeordnet zu einer Ikosaeder-Form. Der Bauarbeiter arbeitet. Aber nicht nur am persönlichen oder gesellschaftlichen Input-Output, das uns das gewohnte Schild zeigt. Er schaut auch den Vögeln nach, grüßt den Sand, oder er macht Pause. Wie im richtigen Leben.

Ikosaeder-Baustelle in Basel, Sommer 2006

So ist das auch mit der Geometrie: sie hat mehr Facetten, als wir vielleicht von der Schule kennen. Oder was Rechenregeln und Anwendungsfragen betrifft. So viele Facetten, wie das Baustellen-Schild in Basel, nämlich 20. Und mehr.

Man kann sich an den schönen Formen freuen, an der geometrischen Ordnung nach der  schöne Gebäude gestaltet sind, Kristallbildungen bewundern und vieles Überraschende mehr. Man braucht z.B. nur ein bischen hier im blog weiterstöbern, und es ruhig später noch einmal versuchen. Auch hier ist Baustelle – es entsteht etwas. Immer etwas Neues.

In Basel steht inzwischen an der Stelle ein Haus, das Jakob Burckhart Haus. Vollständig vermietet bzw. verkauft. Und das schöne Schild ist nicht mehr da. Sondern an die benachbarte Bahnlinie versetzt worden. Alle Reisenden nach Basel SBB sehen es aus Deutschland oder der Schweiz kommend kurz vor dem Einlaufen in Basel aus dem rechten Fenster in Fahrtrichtung. Die aus Frankreich kommenden Reisenden aus dem linken Fenster, wenn sie Basel SBB verlassen.


31
Jan 06

Die Logik der Kunst: Umstülpung

Das Zusammentreffen der drei Elemente:

am richtigen Ort (1)

zu richtigen Zeit (2)

das Richtige tun (3).

Das ist Kunst.

Es ist die Konstellation, in der die wesentlichen Kräfte der plastischen Umstülpung freigesetzt werden.

*

(frei zitiert nach Joseoph BEUYS in: Solidarität mit Harald Naegeli, Reinbek bei Hamburg, 1984. Zum 20. Todestag von Joseph Beuys)


28
Sep 95

Tetraeder Bottrop: Strukturwandel (I)

Tetraeder in Bottrop. Foto: Christoph Jürgens, Bochum

Das wohl größte von Menschen fest gebaute Tetraeder der Welt befindet sich seit 1995 in Bottrop an der A42. Es krönt eine 90m hohe, von 1969 bis 1993 aufgeschüttete Abraum-Halde der Schachtanlage Prosper. Für diese weithin sichtbare Landmarke wurden 210 to Stahlrohr verarbeitet, das hintereinander gelegt eine 1,5 km lange Reihe ergäbe. Die Kantenlänge des von Wolfgang CHRIST entworfenen Tetraeders beträgt 60m.

Im Innern befindet sich eine Aussichtsplattform, zu der fast 400 Stufen hinauf führen, Schwindelfreiheit vorausgesetzt. Von dort liegt einem das ganze Ruhrgebiet zu Füßen. Bei klarsichtigem Wetter hat man eine weite Aussicht.

In Zusammenarbeit mit Heinz-Otto Peitgen und Anna Rodenhausen entwarf der Lichtkünstler Jürgen LIT FISCHER eine Beleuchtung, die das Tetraeder auch in der Dunkelheit zeigt.

Geometrisch-geographische Ergänzung: nicht weit vom Tetraeder befindet sich das Bottroper Quadrat, ein Museum, das unter anderem Bilder von Josef ALBERS beherbergt, die sich ebenfalls durch geometrische Elemente auszeichnen. Ganz schön geometrisch, dieses Bottrop.