Posts Tagged: Kunst


1
Aug 10

Dorfbrunnen: Strukturwandel (II)

Ruhrsandstein und schwarzer Kubus am Dorfbrunnen

Die alte Industrielandschaft stand auf drei monolithischen Beinen: Kohle, Stahl und Bier. Heute ist daraus ein Tausendfüssler geworden. Der Strukturwandel brachte viele neue Berufe mit sich. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis es hier – und wohl auch woanders – soviele Berufe gibt, wie Menschen.

Der von Timothy VINCENT gestaltete Brunnen in Herdecke-Kirchende symbolisiert diesen Wandel. Auf der einen Seite der alte Ruhr-Sandstein, der sich in der Erd-Urzeit bildete, vor etwa 355 mio. Jahren. Dieses Gestein führt die Kohleflöze, die die ganze Industrialisierung in Gang setzten. Daneben ein vulkanischer Stein, modern zum Würfel gestaltet. Er steht für die Entwicklung zu neuen Ufern. Der Wasserstrahl dazwischen als der alles verbindende Zeit-Strahl.

Dorfbrunnen in Herdecke-Kirchende, gestaltet von Timothy Vincent


24
Jun 10

Inside out

Cluster of Cubes, Dortmund, Harenberg-Center beim Hauptbahnhof

Diese vier Würfel sind an einer Stange befestigt. An beweglichen Lagern befestigt lassen sie sich vom Wind bewegen, folgen also ganz der Bewegung von außen. Die Arbeit des Künstlers George RICKEY (1907 – 2002) war es, die bewegliche Befestigung der Würfel technisch so einzurichten, dass die Bewegung der Würfel im Wind einen schönen Eindruck beim Betrachter hinterläßt. Letztlich werden hier die Bewegungen der Außenwelt am Kunstwerk sichtbar gemacht, gefiltert durch die dafür geschaffene Technik des Künstlers.

Oloid als Wälz- und Belüftungsgerät im Wasser. Abbildungen in: Klaus Ernhofer und Wolfgang Maas: Umstülpbare Modelle der Platonischen Körper (Dornach, CH, 2000)

Paul SCHATZ (1898 – 1979) propagierte ebenfalls eine Verbindung von Kunst und Technik. Sein Ansatzpunkt war die Gestaltung der Technik mit ihren eigenen Mitteln. In diesem Sinn die umgekehrte Richtung, die Rickey einschlug: die Technik sollte hier aktiv und heilsam in die Umwelt wirken.

Die von Paul SCHATZ gefundene Oloid-Technik bringt zum Ausdruck, was hier gemeint ist: mit einem doppelten gegenläufigen rotativen Antrieb wird das Oloid angetrieben. Es bewegt sich rhythmisch (beschleunigend und abbremsend im Wechsel). Damit kommt die (Oloid-Technik) der Bewegungsart entgegen, die das Wasser von sich aus gerne annimmt, wie z.B. die Mäander-Bildung von Wasserläufen zeigt.

Sechsgliedrige (Würfel-)Gelenkkette des Schatzwürfels mit Oloid. Modell: Werner Budde, HfK Bremen

Bemerkenswert ist bei Schatz, dass hier ebenfalls der Würfel die Ausgangsform ist: bei der Umstülpung des Würfelgürtels entsteht durch die Bewegung einer Würfeldiagonalen die Oberfläche des Oloids als Raum-Zeit-Form. Ein Kanten-Element muß dazu ortfest gehalten werden. Dabei bleibt der Würfel in seinen geometrischen Elementen (Ecken, Kanten und Flächen) erhalten, wird aber vollständig umgewendet. Das Modell von Werner BUDDE läßt ahnen, wie das gemeint ist.

Ganz allgemein kann man die beiden hier vertretenen Standpunkte als Beispiele sehen, wie der Mensch zu der Welt steht, in der er lebt: einerseits wird er von ihr bewegt, andererseit bewegt er aber auch in der Welt, in dem er in ihr tätig ist. Dabei kann er unterschiedliche Schwerpunkte setzten. Der dynamische Ausgleich zwischen beiden Ansätzen mag als ein ideales Gleichgewicht erscheinen.


16
Mai 10

Himmel über der Ruhr

Himmel über Oktaeder-Skulptur in Wetter an der Ruhr

…und die Wolken ziehn so schnell vorbei…

PLATO, nach dem die Platonischen Körper benannt sind, ordnet in seinem Timaios-Dialog dem Oktaeder das Element des “Luftigen” (oder dem “Flüchtigen”) zu.

Stellt man das Oktaeder auf die Spitze, so zeigt jede seiner Ecken in eine Raumesrichtung. Es scheint sich dann, wenn man das gefühlsmäßig so sagen darf, offensichtlich besonders wohl zu fühlen im luftigen Element.

Bei dieser Skulptur ruht das Oktaeder auf einer Kante, ebenfalls in der Luft. Und das sieht auch ganz prima aus.


24
Jan 10

Illusion und Wirklichkeit

Die Grenze zwischen Illusion und Wirklichkeit ist nicht immer leicht zu fassen. Man kann aber damit spielen. Es entstehen dann unmögliche Welten: möglich auf dem Papier, unmöglich in der Alltagswelt. Mauritz Cornelis ESCHER (1898 – 1972) war ein hochprofessioneller Grenzgänger zwischen illusionären und wirklichen Realitäten.

Die Ausstellung “Illusion und Wirklichkeit” im Hagener Karl-Ernst-Osthaus-Museum widmet sich Eschers Graphiken. Dazu sind Arbeiten von Adolf LUTHER (1912 – 1990) zu sehen, die mit optischen Eindrücken von Spiegeln und Linsen überraschende Eindrücke vermitteln. Die Doppelausstellung ist noch bis zum 14. März 2010 im Hagener Karl-Ernst-Oshaus-Museum zu sehen.

Bilder von M.C. ESCHER und Adolf LUTHER finden sich hier in den Links und auch bei Wikipedia.


6
Dez 09

Gerade. Und rund!

Gerade, rund und klein. Holzoloide von Stefan Schleszies (Bild: St. Schleszies)

Gerade, rund und groß: Holzoloid von Stefan schleszeis (Bild: St. Schleszies)

Gerade, rund und groß: Holz-Oloid von Stefan Schleszies (Bild: St. Schleszies)

Es gibt Dinge, die aus Geraden bestehen, aber rund aussehen, und auch rund sind. Und das muss kein Widerspruch sein. In der Geometrie gibt es z.B. solche Formen. Das Oloid ist eine davon. Als kunsthandwerkliche Schmuck- und Gebrauchsstücke sehen sie nicht nur schön aus, sondern lassen auch – in Bewegung versetzt – staunen. Einige Modelle finden sich hier im Shop. Besonders ausgefallene Stücke stellt Stefan SCHLESZIES her.


8
Mai 09

Handliche Geometrie

Oktaeder aus Burma

Zwei Handschmeichler aus Burma:

Geometrie zum Anfassen,

zum Begreifen,

bewußt und unbewußt.

Und schön.

Und gut.


6
Jan 09

Revolution des Tetraeders

"tanzendes" Tetraeder in Witten: Trigon von Simone JASINSKI (1999)

Kennen Sie “die Revolution des Viadukts” von Paul KLEE? Hier sehen Sie die “Revolution des Tetraeders”. Mitten in Witten. In der Bahnhofstaße. Man kann mit der Straßenbahn dran vorbei fahren. In Richtung Heven Dorf  aus dem rechten Fenster in Fahrtrichtung. Direkt gegenüber der Eisdiele, die im Winter eine Boutik beherbergt. Wenn Sie schon mal in Witten waren, wissen sie vielleicht, was ich meine. Und auf der gegenüberliegenden Seite, ich meine gegenüber der Eisdiele, da wird getanzt. Und zwar tanzt das Tetraeder (bitte: das Tetraeder, nicht der Tetraeder). Oder vielmehr tanzen die vier Seiten des Tetraeders (des: ist richtig). Wenn man genau hinsieht sind es nur drei, aber so, daß man meint, die vierte Fläche wäre da. Aber was sage ich, es sind ja noch nicht einmal Flächen, sondern nur Andeutungen davon, Assoziationen sehe ich. Denn es ist alles so verbogen, pardon, sphärisch gerundet, und der Blick geht durch und durch – es wird getanzt, eben.

(für Hanns Dieter HÜSCH)


22
Aug 08

Durchblick

Durchblick von Phillip Jenckel

Was da – sogar aus vielerlei Richtung – als Durchblick fungieren kann, sieht aus der Nähe betrachtet aus wie zusammengeschweisste Bleche, aus denen kreisförmige Teile gestanzt wurden.

Diese Skulptur von Phillip JENCKEL trägt den Titel Durchblick. Zu sehen am Kemnader See in Witten.

 


1
Mrz 08

Bellavista

Bellavista. Skulptur von Qu Qiaoling in Witten. Kemnader See

Bellavista. Detail

Bellavista, laut Fremdwörterbuch zu übersetzten mit schön (bella) und Sicht, bzw. Vorzeigen eins Wechsels (vista).

Hier ein Wechselspiel zwischen den Kanten des Würfels und den Kanten der Stehle, auf denen der Würfel ruht.

Und natürlich das Wechselspiel zwischen Geometrie und Kunst, bzw. Form (der Skulptur) und Bewegung (des Betrachtenden).

(Zum Monatsbeginn, der zu früheren Zeiten zugleich der Jahresbeginn war)

 


6
Nov 07

Herbst- Impression

Oktaeder im Nebel

Im Nebel ruhet noch…

…das Oktaeder.

Mehr braucht man eigentlich nicht zu sagen.