Posts Tagged: Geometrie in Bewegung


18
Jul 10

Oloid auf der Überholspur

Im Rahmen der Ruhr-2010, Kulturhauptstadt Europas, wurde die meistbefahrene Autobahn Deutschlands, die A40 gesperrt.

Roloid auf der Überholspur

Roloid auf der Überholspur

60km freie Bahn für das Roloid und natürlich auch für die 3 Millionen Gäste, die bei dieser Aktion “Still-Leben Ruhrschnellweg” in Bewegung gekommen sind – zum Beispiel auch mit dem Roloid auf der Überholspur.

Roloid auf der Überholspur

Roloid auf der Überholspur

Das Roloid ist eine Art kunstvolles Fortbewegungsmittel. Man kann sich reinhängen, und durch Gewichtsverlagerung das Roloid und sich selber ins Rollen bringen. Der Name leitet sich aber nicht nur vom Rollen ab, sondern auch von der Form des Oloids, einer Form, die Paul SCHATZ vor 80 Jahren bei der Umstülung des Würfels entdeckte. Näheres unter der Rubrik Publikationen.

Übringens war das Roloid auf der Autobahn so gefragt, daß es auf einem besonderen Zugang auf die Fahrbahn gelangte, und zum Schluß wollte man es gar nicht mehr von der Fahrbahn lasen.

Roloid im Spiegel der öffentlichen Wahrnehmung

Auf der Seite der Ruhr 2010 kann man noch viele schöne Bilder bewundern, von dem, was es außer dem Roloid zu sehen gab.

Gruppenbild mit Roloid

Leonardo im Roloid

Ruhrgebiet: ein starkes Stück Deutschland

Ruhr 2010. Kulturhauptstadt Europas


24
Jun 10

Inside out

Cluster of Cubes, Dortmund, Harenberg-Center beim Hauptbahnhof

Diese vier Würfel sind an einer Stange befestigt. An beweglichen Lagern befestigt lassen sie sich vom Wind bewegen, folgen also ganz der Bewegung von außen. Die Arbeit des Künstlers George RICKEY (1907 – 2002) war es, die bewegliche Befestigung der Würfel technisch so einzurichten, dass die Bewegung der Würfel im Wind einen schönen Eindruck beim Betrachter hinterläßt. Letztlich werden hier die Bewegungen der Außenwelt am Kunstwerk sichtbar gemacht, gefiltert durch die dafür geschaffene Technik des Künstlers.

Oloid als Wälz- und Belüftungsgerät im Wasser. Abbildungen in: Klaus Ernhofer und Wolfgang Maas: Umstülpbare Modelle der Platonischen Körper (Dornach, CH, 2000)

Paul SCHATZ (1898 – 1979) propagierte ebenfalls eine Verbindung von Kunst und Technik. Sein Ansatzpunkt war die Gestaltung der Technik mit ihren eigenen Mitteln. In diesem Sinn die umgekehrte Richtung, die Rickey einschlug: die Technik sollte hier aktiv und heilsam in die Umwelt wirken.

Die von Paul SCHATZ gefundene Oloid-Technik bringt zum Ausdruck, was hier gemeint ist: mit einem doppelten gegenläufigen rotativen Antrieb wird das Oloid angetrieben. Es bewegt sich rhythmisch (beschleunigend und abbremsend im Wechsel). Damit kommt die (Oloid-Technik) der Bewegungsart entgegen, die das Wasser von sich aus gerne annimmt, wie z.B. die Mäander-Bildung von Wasserläufen zeigt.

Sechsgliedrige (Würfel-)Gelenkkette des Schatzwürfels mit Oloid. Modell: Werner Budde, HfK Bremen

Bemerkenswert ist bei Schatz, dass hier ebenfalls der Würfel die Ausgangsform ist: bei der Umstülpung des Würfelgürtels entsteht durch die Bewegung einer Würfeldiagonalen die Oberfläche des Oloids als Raum-Zeit-Form. Ein Kanten-Element muß dazu ortfest gehalten werden. Dabei bleibt der Würfel in seinen geometrischen Elementen (Ecken, Kanten und Flächen) erhalten, wird aber vollständig umgewendet. Das Modell von Werner BUDDE läßt ahnen, wie das gemeint ist.

Ganz allgemein kann man die beiden hier vertretenen Standpunkte als Beispiele sehen, wie der Mensch zu der Welt steht, in der er lebt: einerseits wird er von ihr bewegt, andererseit bewegt er aber auch in der Welt, in dem er in ihr tätig ist. Dabei kann er unterschiedliche Schwerpunkte setzten. Der dynamische Ausgleich zwischen beiden Ansätzen mag als ein ideales Gleichgewicht erscheinen.


29
Nov 09

Oloid-Woche in Basel November 2009

Oloidwoche auf der Gerbergasse in Basel. Bild: Daniel Häni

Eine besondere Begegnung von Handwerk und Geometrie: in einer öffentlichkeitswirksamen Aktion schlugen Steinmetze und Steinmetzinnen aus Frankreich, Deutschland, Österreich und der Schweiz aus einem 1,8 t. schweren Sandsteinquader die Oloid-Form. Diese Form entsteht als Raum-Zeit-Form aus der Umstülpung des Stülpwürfels von Paul SCHATZ. Pünktlich zum 80. Jahrestag der Entdeckung der Würfel-Umstülpung konnte das Steinoloid fertiggestellt werden.

Oloid am Abend der Fertigstellung. Bild: Daniel Häni

Diese 1,2 t schwere Form läßt sich von Hand bewegen, und es läßt sich sogar darauf balancieren. Die Initiative zu dieser Aktion liegt bei Hildegard von HOMEYER und Claudia WINKLER. Zwei Zimmerleute stellten die Rollrampe für das Oloid her.

Ermöglicht wurde diese Aktion durch Sponsoren wie der Paul-Schatz-Stiftung, Basel, der Edith-Maryon-Stiftung (Kulturfonds), Basel und dem unternehmen mitte, Basel. Weitere Informationen zu der Aktion finden sich als Artikel von Alexander HEINZ in den österreichischen IBDG und im oloidblog.

Handfest zugepackt. Bild: Daniel Häni

Immer wieder Maß nehmen. Bild: Daniel Häni

Arbeitsfortschritte. Bild: Daniel Häni

Auf dem Weg in die Schalterhalle. Bild: Daniel Häni

Balancieren auf dem Oloid. Bild: Daniel Häni

Transport zu neuen Ufern. Bild: Daniel Häni

Station beim Glashaus am Goetheanum in Dornach bei Basel. Bild: Tobias Langscheid


5
Nov 09

Strobl 2009

Workshop bewegliche Modelle. (Bild: Klaus Scheiber)

Zur 30. Geometrie-Tagung des österreichischen Fachverbandes ADG in Strobl am Wolfgangsee gab Alexander HEINZ mit zwei eigenen Beiträgen Gelegenheit geometrisch in Bewegung zu kommen – ausgehend von der einfachen Tatsache, daß der Raum durch die Zeit, und die Zeit durch den Raum erfahrbar werden.

Zum 80. mal jährt sich 2009 die Erfindung des umstülpbaren Würfels von Paul SCHATZ. Mit diesem Modell und vielen weiteren beweglichen Modellen, die in der Folge dieser Erfindung auch von anderen erfunden wurden demonstrierte er wie belebend Geometrie wirken kann, wenn sie das Erleben als Erkenntnis-Zugang erschließt. Dies umsomehr, wenn man, wie auf der Tagung, in einem Workshop dazu die Gelegenheit bekommt, Modelle selber zu bauen.

Die im Vortrag gewählte Darstellung ist als Anregung zur Nachahmung gedacht. Der Inhalt folgt einer ähnlichen Präsentation an der TU München im Rahmen der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Geometrie und Graphik (DGfGG) im Februar 2009.


27
Feb 09

Geometrische Spannkraft

Dodekaeder aus Bambus-Stangen von Caspar Schwabe

Schauplatz TU München, Fachbereich Mathematik, im Innen- und Außenbereich: lebensgroße Modelle von Caspar SCHWABE, aus Bambus, mit Gummi-Zügen zusammengehalten.

Bambus-Modell mit Spannkraft von Caspar Schwabe

Draußen Modelle der Platonischen Körper, innen ein Modell, daß man mit leichtem Druck zusammendrücken kann. Dabei sammelt es seine Spannkraft, und schnellt wenige Momente später schwungvoll in die Höhe, und entfaltet sich dabei wieder.

Ein echter Hingucker – nicht nur zur Tagung der Deutschen Gesellschaft für Geometrie und Grafik in München im Februar.


6
Jan 09

Revolution des Tetraeders

"tanzendes" Tetraeder in Witten: Trigon von Simone JASINSKI (1999)

Kennen Sie “die Revolution des Viadukts” von Paul KLEE? Hier sehen Sie die “Revolution des Tetraeders”. Mitten in Witten. In der Bahnhofstaße. Man kann mit der Straßenbahn dran vorbei fahren. In Richtung Heven Dorf  aus dem rechten Fenster in Fahrtrichtung. Direkt gegenüber der Eisdiele, die im Winter eine Boutik beherbergt. Wenn Sie schon mal in Witten waren, wissen sie vielleicht, was ich meine. Und auf der gegenüberliegenden Seite, ich meine gegenüber der Eisdiele, da wird getanzt. Und zwar tanzt das Tetraeder (bitte: das Tetraeder, nicht der Tetraeder). Oder vielmehr tanzen die vier Seiten des Tetraeders (des: ist richtig). Wenn man genau hinsieht sind es nur drei, aber so, daß man meint, die vierte Fläche wäre da. Aber was sage ich, es sind ja noch nicht einmal Flächen, sondern nur Andeutungen davon, Assoziationen sehe ich. Denn es ist alles so verbogen, pardon, sphärisch gerundet, und der Blick geht durch und durch – es wird getanzt, eben.

(für Hanns Dieter HÜSCH)


29
Nov 08

Oloid-Vernissage November 2008

Verhülltes Oloid (Foto: Frogard Heinz)

Auf Hof Hartkemeyer bei Bramsche, Nähe Osnabrück, wurde ein Kunst-Stück enthüllt: ein Oloid der Steinmetzin Hildegard von HOMEYER. Die Steinmetzin lernte am Berner Münster und wünschte sich zum Abschluß ihrer Lehrzeit ein Oloid aus Stein zu hauen. Die Schwester Julia Hartkemeyer und andere Freunde sponsorten dazu den Stein – einen Ibbenbürener Sandstein. In einer feierlichen Vernissage wurde das Oloid am 29. November, dem 1. Advent enthülllt: ein schönes Stück Monumental-Geometrie.

Sechsgliedrige Gelenk-Kette des Schatzwürfels mit Oloid. Modell: Werner Budde, HfK Bremen

In der Fest-Ansprache würdigte Alexander Heinz die Arbeit der Steinmetzin und demonstrierte anhand von Modellen den Zusammenhang des Oloids mit dem umstülpbaren Würfel, beides Erfindungen von Paul SCHATZ. Anhand eines Manisfestes von Joseph Beuys beschrieb er Zusammenhänge der Begriffe von Raum, Zeit und Kunst mit dem Begriff der Umstülpung.

Schatzwürfel mit sechsgliedriger Gelenk-Kette. Abbildung aus Schatz: Die Welt ist umstülpbar, Gelenk-Kette nachträglich hervorgehoben

Schatzwürfel. Modell: Alexander Heinz

Schatz'sche Steckriegel mit FS-Oktaeder-Ständer. Modelle: Alexander Heinz

Enthülltes Oloid (Foto: Frogard Heinz)

2
Nov 06

Metamorphosen – Divinedivision

An festen Formen können wir uns gut orientieren, und danach unsere Bewegungen einrichten. An beweglichen Formen vollziehen wir – bewußt oder unbewußt – die Bewegung mit, und kommen dadurch selbst in Bewegung. Königlich ist es zu sehen, wie in der Bewegung aus einer festen Form eine andere entsteht. Zu sehen – 2D – bei divinedivision (Polyeder-Entfaltung). Die Idee von Bruno HOFFMANN haben David und Roman RENTROP und Florian WELKER webtauglich umgesetzt.


10
Jun 06

Schatzwürfel und Platonische Körper: Schatz-Symposion Basel 2006

Schatzwürfel in Ausgangsposition. Modell: Alexander Heinz

Paul SCHATZ fand durch ein Würfel-Modell zu einem Thema, dass ihn den Rest seines Lebens intensiv beschäfdtigte: die Umstülpung. Ausgegangen war er ursprünglich von einem Dodekaeder.

Bei der Konstruktion seines Meisterstücks fand Alexander HEINZ heraus, dass sich der Stülpring -  das bewegliche Herzstück des Schatzwürfels – in bestimmten Positionen an jeden der Platonischen Körper anschmiegt – mal von innen, mal von außen.

Dodekaeder von Stülpring umgeben. Modelle: Alexander Heinz

In seinem Referat anläßlich des Paul-Schatz-Symposiums führte er diese Entdeckung anschaulich an eigenen Modellen vor. Der durchgängige Bewegungs-Ablauf durchläuft dabei 32 Stationen, an denen eine “anlehnende” Übereinstimmung des Würfelgürtels mit einem jeweiligen Platonischen Körper besteht. Vier Stationen zeigen ein Muster aus ebenen Waben, bzw. regulären Dreiecken, die – unter einem bestimmten Blickwinkel – als Sonderfälle der Platonischen Körper gelten können.

Stülpgürtel von Dodekaeder umgeben. Modelle: Alexander Heinz

Diese, rein an Modellen gefundenen Verhältnisse können streng geometrisch nachvollzogen werden.